Öffne deinen Mund für den Stummen, für den Rechtsanspruch aller Schwachen! Öffne deinen Mund, richte gerecht und schaffe Recht dem Elenden und Armen! Sprüche 31,8+9
Gerecht richten? Können wir das? „Das ist unfair!“ Es geht nicht gerecht zu in unserer Welt.
Oft ist das auch am Hof Thema: Warum darf Bewohner A eine „gemütliche“ Arbeit in der Küche machen und Bewohner B muss „schwere“ Arbeit am Bau verrichten? Blenden wir 20 Jahre zurück: Warum darf Bewohner A keine Geborgenheit in einer intakten Familie erleben und lernt als einzigen Umgang damit, sich in einen zerstörerischen Ersatz zu flüchten? Bewohner B hingegen erlebt, was es heißt, ein Zuhause zu haben. „Das ist unfair!“ - Das Leben ist unfair.
Jeder von uns kennt Menschen, die belastbarer oder weniger belastbar sind als man selber. Das ist doch in Ordnung, oder? ….doch die Unzufriedenheit fängt dann an, wenn du zu vergleichen beginnst.
Bei unseren Bewohnern sind die Unterschiede oft noch viel krasser. Sie sind durch ihre Vorgeschichte und durch ihre Krankheit sehr verschieden belastbar – das versuchen wir zu berücksichtigen. Doch auch wenn wir uns Mühe geben werden wir es nie schaffen, ganz gerecht zu sein. Und manchmal bekommen wir ganz schön viel „Das ist unfair!“ zu hören und zu spüren.
Ich finde: Verständlich!
Wer von uns berücksichtigt denn schon immer alle Hintergründe und die individuelle Verfassung seines Gegenübers? Für gewöhnlich nehmen wir doch uns selber als Maßstab – und dann schreien wir auch ganz schnell: „Das ist unfair!“
Doch es geht ja in dem Vers auch gar nicht darum, absolute Gerechtigkeit herzustellen, sondern darum, sich einzusetzen für den Schwachen, für den, der so oft im Leben zu kurz gekommen ist, und ihm wenigstens ein bisschen Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Deswegen spricht mich der Vers so an. Ich finde das Leben nämlich auch unfair! Ich finde es unfair, dass Menschen auf einer Parkbank schlafen müssen, verhungern müssen, als einzigen Freund eine Flasche mit Hochprozentigem haben dürfen, wie billige Ware behandelt werden, verachtet werden weil sie nicht einem Schönheitsideal entsprechen, in der Arbeitswelt keinen Platz bekommen weil sie etwas langsamer arbeiten, …..ich finde es unfair, fürchterlich unfair!
Und wie findet Jesus diese Umstände? Unfair, fürchterlich unfair!
Wie komme ich zu der Behauptung? Weil Jesus sich eingesetzt hat für die Schwachen. Ich denke da zum Beispiel an die Begebenheit, wo Maria mitten in ein Essen von Jesus mit einem Pharisäer platzt und Jesus ganz beansprucht (Lukas 7). Eine Frau, noch dazu von sehr zweifelhaftem Ruf – sie war eine Schwache in dieser Gesellschaft. Jesus nimmt sich Zeit für sie, Er achtet sie. Oder die Frau, die Jahre an einer Dauerblutung litt – wahrscheinlich war sie auch noch verarmt, weil sie alles Geld Ärzten gegeben hatte, die ihr doch nicht helfen konnten. Sie war unrein mit ihrer Blutung – sie war elend und arm. Jesus hat sie geachtet. (Matthäus 9,20-22) Oder die Aussätzigen, denen Jesus begegnet ist – Er hat ihnen Zuwendung gegeben.
Jesus hat geschwiegen, als es um Sein eigenes Recht ging, aber Er hat den Mund aufgemacht, als es um Recht für die Armen, Schwachen und Elenden ging. Irgendwie ist Jesus unfair – zu sich selber!
Er selbst lässt sich verspotten, bespucken, foltern, ermorden. Dir und mir schenkt Er dadurch das Leben – das ewige Leben. Und hier ist Er wieder gerecht, absolut gerecht: Er hat für die Schuld jedes Menschen am Kreuz bezahlt. Er bietet jedem Menschen ewiges Leben an – ohne Ausnahme. Das nenne ich Gerechtigkeit!
Jeder Mensch darf sich entscheiden, dieses wunderbare Geschenk anzunehmen; niemand muss, jeder darf - auch das ist gerecht. Wir können IHM nichts bringen, Er möchte, dass wir mit leeren Händen kommen. Und da sind dann wir die Elenden und Armen, denen Er Recht verschafft und die Er gerecht spricht vor Gott durch seinen stellvertretenden Tod am Kreuz.
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